Achtsamkeit & Dankbarkeit

Mach langsam – wir haben es eilig

Von Karin Kramer, Principal /

Wie bewusst sind Sie heute Morgen aufgestanden und sind in aller Ruhe Ihrer Morgenroutine nachgegangen, hatten vielleicht noch Zeit für einen Kaffee an der Sonne, bevor Sie sich ins Auto gesetzt haben und ins Büro gefahren sind? Oder war es vielmehr ein Durchhetzen, um dann bereits etwas verschwitzt im Büro anzukommen? Haben Sie dann gesteuert von selbstgesetzten Terminen den Tag gestaltet oder sind Sie gefühlt fremdgesteuert durch den Tag gewandelt um sich dann abends erschöpft auf die Couch zu werfen?

In einer Zeit, in der immer alles schneller geht, wir permanent erreichbar und abrufbar sind, stellt sich die Frage: kommt da die Seele noch mit? Viele von uns haben bereits erkannt, dass so vieles was sie tun, nicht dazu beiträgt glücklich zu werden, gesund zu bleiben und ihre Talente und Begabungen zu entfalten. Aber woran wollen wir uns orientieren bei dem wie wir handeln, denken und was wir sagen? An dem, was wir vorfinden, weil es sich bisher so entwickelt hat? Die Ansammlung von immer mehr Wissen hilft uns auf der Suche nach Antworten nicht so recht weiter. Längst haben wir erkannt, dass dieses Getrieben-Sein uns stört, uns nicht guttut. Aber etwas erkannt zu haben, heisst nicht, dass es uns auch wirklich berührt und wenn es uns nicht berührt, so ändert sich nichts in unserem Gehirn. Zu viel Durcheinander im Gehirn verbraucht zu viel Energie. Wir kommen nicht umhin, uns einzulassen, uns bewusst zu werden. Die oft herbeigesehnte Entschleunigung und Enthebung von Verpflichtungen im Aussen – «wenn es dann einmal ruhiger wird, dann kann ich endlich wieder atmen» – ist wie so oft eine Fata Morgana. Dieses «Wenn, dann» wird sich im Aussen nicht ergeben. Der Weg zur Entschleunigung führt über uns selbst. Unser Filter ist dabei unsere Ich-Grenze: wir treffen eine Wahl darüber, was wir aufnehmen und was wir an uns vorbeiziehen lassen. Die Unruhe, die wir verspüren, ist nicht zuletzt eine hausgemachte innere Unruhe, eine Mischung aus Anforderungserfüllungen, permanenter Selbstbeschäftigung, Getrieben sein von immer neuen Verlockungen zur Selbstbeglückung und schnellen Belohnungen (Zielerreichung, Ablenkung). Oftmals jagen wir durch den Alltag und funktionieren und stehen so wenig in Kontakt mit uns selbst (1).

Aus den USA sind Studien bekannt, in denen Menschen, die älter als 95 Jahre und im Vollbesitzt ihrer geistigen Kräfte sind, danach befragt wurden, was sie, wenn sie ihr Leben noch einmal leben könnten, anders machen würden (1).

Geclustert in drei Gruppen waren dies die häufigsten Antworten:
1 / Ich würde bewusster leben
2 / Ich würde mehr riskieren
3 / Ich würde mehr schaffen, was über mein Leben hinaus Bestand hat.

Schauen wir uns den erstgenannten Punkt etwas genauer an. In diesem Satz ‘bewusster Leben’ spielen Neugier, Staunen und damit verbunden Dankbarkeit eine zentrale Rolle.

Indem wir uns Zeit nehmen, all das zu vergegenwärtigen, wofür wir einer Person, einer Lebensphase oder einem Umstand dankbar sind, verändert sich automatisch das Denken über unsere Erfahrungen und die Situation, in der wir gerade stecken. Danken verändert also das Denken. Dankbarkeit legt explizit den Fokus auf Positives, selbst in schwierigen und gestressten Situationen; sie sucht sozusagen nach Referenzpunkten von Gutem und Wertvollem. Dankbarkeit, Neugier und Staunen sind daher nicht nur Methoden für ein erfülltes Leben, sondern vielmehr ein Lebensstil in sich. Eine Entscheidung, die die eigene Wahrnehmung positiv steuert und uns den Blick für das Wesentliche, für das Wunder des Lebens öffnet und ins Hier und jetzt zurückholt.

Um diese Dankbarkeit zu ritualisieren und damit unseren Alltag bewusst zu entschleunigen, geben wir Ihnen hier gerne einige Leitfragen mit an die Hand, die, wenn Sie sich regelmässig Zeit für deren Beantwortung nehmen, gar nicht anders können, als das Tempo zu drosseln und - in Ihnen selbst - anzukommen.

Am Morgen fragen Sie sich:
1 / Worüber bin ich glücklich in meinem Leben?
2 / Was begeistert mich in meinem Leben?
3 / Worauf bin ich stolz?
4 / Was geniesse ich in meinem Leben? Welche Gefühle weckt das in mir?
5 / Wofür habe ich mich commited in meinem Leben? Was bewegt das in mir? Wie fühle ich mich dabei?

Am Abend fragen Sie sich:
1 / Was habe ich heute gegeben? Inwiefern war ich heute ein Gebender?
2 / Was habe ich heute gelernt?
3 / Wie wird mir dieser Tag als Basis für die Zukunft dienen?
4 / Wie hat dieser Tag mein Leben bereichert?

Wir wünschen Ihnen eine entschleunigte Woche mit Blick für das Schöne und Wertvolle in Ihrem Leben
Ihr Manres-Team

(1) Johner, P.  (2012). Freundschaft. Was es für ein erfülltes Leben braucht. Frankfurt am Main: Fischer.