Ausdauer

Was wir vom Surfen über den Businessalltag lernen können

Von Vanessa Kaeslin, Consultant /

Zurzeit verweile ich für einen Surftrip in Mittelamerika. Während ich draussen auf meinem Surfbrett auf die nächste Welle warte, sinniere ich vor mich hin. Auf dem Meer fällt mir auf, wieviel sich von der Surfphilosophie auch in den Berufsalltag übertragen lässt. Diese Gedanken und Metaphern möchte ich gerne mit Ihnen teilen.

Der grosse Traum
Als ich als Teenager „The Endless Summer“, den Surffilm aus den 60er Jahren, das erste Mal sah, wusste ich: Das will ich auch! Dieses dahingleiten auf den Wellen, diese Leichtigkeit, das eins werden mit dem Meer. Ich war sofort fasziniert von diesem Sport und dieser Lebensphilosophie. Kurz darauf machte ich meinen ersten Surftrip an die Atlantikküste. 
Voller Motivation und dem Bild von den beiden Surfern Mike Hynson und Robert August vor Augen – schluckte ich erstmals viel Salzwasser. Ich merkte schnell, dass zwischen Anspruch und Wirklichkeit ein großer Graben besteht. Talent genügt nicht, es braucht Könnerschaft und das bedeutet zuerst einmal viel Arbeit. Die erste Ernüchterung machte sich breit. Doch der große Traum blieb. Dies ist auch im Berufsalltag, wenn man Erfolg haben will, essentiell: Die ersten Schritte können sehr hart sein, es spült dich durch, du fällst. Immer wieder. Aber wie es Wawrinka auf seinem Unterarm tätowiert hat und vorgibt: 

„Ever tried. Ever failed.
 No matter. Try Again. 
Fail again. Fail better.”

Übung, die laufende ständige Wiederholung, das Dranbleiben ist der Schlüssel zum Erfolg. Es gibt keine Abkürzungen. Dies ermöglicht, Selbstbewusstsein und Sicherheit zu erlangen, die nötige körperliche und mentale Stärke zu entwickeln. Und auf dem Weg dorthin hilft ein grosser Traum, welcher auch in schwierigen Situationen immer wieder leitet und antreibt. 

Ausdauer, Resilienz
Wenn man den Surfern zusieht, ist einem oft nicht klar, dass der anstrengendste Teil nicht das Gleiten auf der Welle, sondern das Paddeln bis dorthin ist. Vom Strand, auf dem Brett, durch die entgegenschlagenden gebrochenen Wellen durch. Im beruflichen Alltag ist nur ein kleiner Teil der Leistung von aussen erkennbar. Die Kreation und Entwicklung eines Produkts, die minutiöse Vorbereitung einer Präsentation, die Planung eines Events nimmt die meiste Zeit und Energie in Anspruch. Wenn dann ein Erfolg sichtbar wird, am Tag der Performance, als Ergebnis einer intensiven und aufwändigen Vorbereitung, fällt in der Folge auch das Paddeln immer leichter. Doch dies braucht erst Training, Kraft und Ausdauer. Und Pausen dazwischen, um Energie zu tanken und die Muskeln wachsen zu lassen.

Selbstvertrauen
Nach den ersten Übungen im Weisswasser, den bereits gebrochenen Wellen, ging es endlich ins Green, zu den grossen grünen Wellen. Dort merkte ich, dass die Wellen aus der Nähe und vom Brett aus massiv grösser wirken als vom Land! Angst machte sich bemerkbar und es schien unmöglich, solch ein Monster zu bändigen. Wenn ich dann die Welle anpaddelte und mental nicht ganz bereit war, sich leise Zweifel eingeschlichen hatten, war das Resultat immer dasselbe: Wipe out oder Fail. Dasselbe gilt auch für das Leben: Der Moment, in dem man bei der Ausführung zögert, ist der Moment, der einen in Schwierigkeiten bringt. Wenn der Entschluss gefasst ist, müssen wir ihn durchführen. Als ich die Angst überwunden hatte und voller Überzeugung die Welle auch erwischen wollte, fing es an richtig Spass zu machen die Dynamik der Natur zu fühlen. Jede Welle ist anders. Doch wenn ich eine gute Welle sehe und mich für sie entschieden habe, muss ich sie anpaddeln. Eine Welle wie diese wird vielleicht nicht mehr anrollen. Nutzen Sie das Momentum und glauben Sie an sich. Und Sie werden von der Welle getragen.  

Geduld
Das Warten auf eine Welle hat eine Faszination an sich. Nach dem Rauspaddeln bedeutet dies erstmals dort draussen Entspannung. Diese Ruhe, das Beobachten und Einschätzen der Wellen, das Deuten der Wellen. Doch irgendwann ist auch genug geruht, beobachtet und gedeutet und ich möchte die nächstbeste Welle nehmen und nicht die beste. Doch Ungeduld wird hier schnell bestraft. In Form einer schlechten Welle, die kaum zu reiten ist. Ich werde von der Welle erfasst, Richtung Land gespült und es heisst wieder rauspaddeln. Schon aus einem energieschonenden Gedanken heraus will ich auf die richtige Welle warten. Und weil es einfach viel mehr Freude macht, wenn alles stimmt, also im Flow ist. Das Gefühl, wenn man zur richtigen Zeit, am richtigen Ort ist, „in the Zone” – von der Welle getragen wird, die Energie der Natur spürt und einfach nur schwebt. Das ist eine der tiefgreifendsten Einsichten dieser Tage. Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, sollte es am besten sogleich umgesetzt sein. Jedoch ist oft die Zeit dafür noch nicht reif, es ist nicht das richtige Umfeld oder der richtige Ort. Dies bedeutet viel verpuffte Energie. Wenn jedoch das Timing und das Umfeld und die Vorbereitung stimmen, das richtige Produkt, die passende Idee dann lanciert wird, dann kann fast nichts mehr schief gehen. 

Über die Jahre habe ich gemerkt, was surfen wirklich bedeutet. Es ist ein langer, intensiver Weg, voller Mühen bis es sich wie bei den beiden Surfern Mike Hynson und Robert August anfühlt. Man muss auch das Meer, das Paddeln, also den Weg und nicht nur das Ziel dorthin lieben. Das Problem zu lieben beginnen und nicht nur die Lösung. Sonst hält man nicht durch. Denn erst wenn man es beherrscht, sieht es auch einfach aus.

Wir wünschen Ihnen viel Freude und Durchhaltewillen beim anpaddeln und surfen der Erfolgswelle.

Ihr Manres-Team