Being a Leader

«Ich helfe den ersten Menschen auf den Mond zu befördern» - Der Hausmeister

Von Tobias Huber, Senior Consultant /

Im Jahre 1961 besuchte Präsident John F. Kennedy zum ersten Mal die NASA. Als er einen Hausmeister sah, der gerade den Boden wischte, ging er auf ihn zu und fragte, was er denn bei der NASA mache. Der Hausmeister antwortete: «Ich helfe den ersten Menschen auf den Mond zu befördern». 

Diese Geschichte fasst schön die zwei wichtigsten Punkte zusammen, die für mich Leadership ausmachen. Erstens geht es bei Leadership um die anderen, nicht um mich. Wäre Kennedy in diesem Moment rein ichbezogen durch die NASA-Gänge gegangen, wäre er nicht auf die Idee gekommen, den Hausmeister nach seiner Aufgabe zu fragen. Und zweitens ist die Aufgabe einer Führungskraft, positive Bilder der Zukunft in Form von Visionen in den Köpfen und Herzen der Mitarbeiter zu pflanzen. So wie es scheint, ist das der Führungskraft des Hausmeisters gelungen. Er sieht seine Tätigkeit als einen Beitrag zu einem grossen und weltbewegenden Ziel.

Dieser Artikel ist keine wissenschaftliche Studie zum Thema «Leadership». Er ist ein Erfahrungsbericht, dessen Inhalt ich über die letzten Jahre in enger Zusammenarbeit mit diversen Führungskräften gesammelt habe. Er ist selbstverständlich auch keine abschliessende und vollständige Auflistung von Punkten, die für mich Leadership ausmachen, sondern eine persönliche Betrachtung, was einen Leader von einem Manager unterscheidet. Was bedeutet für mich also Leadership?

Ein Leader dient als Erstes der Entwicklung anderer (für den Verlauf des gesamten Artikels gilt dies jeweils auch für die weibliche Form «Leaderin»)

In erster Linie tut er das, indem er als Vorbild vorangeht. Es geht darum, das richtige Verhalten zu zeigen, genau darauf zu achten, was er sagt und wie er es sagt, welche Entscheidungen er trifft und vor allem, wie er mit anderen Menschen umgeht. Und zwar nicht mit diesen Menschen, die ihm bei der Erreichung von persönlichen Zielen dienlich sind. Sondern genau mit diesen Menschen, die dies nicht tun oder die er nicht einmal kennt. Das Beispiel von John F. Kennedy zeigt, dass die Art und Weise, wie ein Leader mit fremden Menschen umgeht, zeigt, wofür er steht.

Ein Leader bringt Menschen dazu, das Beste aus sich herauszuholen und über sich hinauszuwachsen

Dies tut er, indem er seine Mitarbeiter auf eine Reise mitnimmt. Er erzählt eine Geschichte, von der alle beteiligten Menschen ein Teil sein wollen. Es geht um Geschichten von Emotionen, von Träumen und von positiven Beiträgen zu etwas, was unser eigenes Individuum überschreitet. In der Unternehmensentwicklung gebraucht man das Wort «Vision» dafür. Menschen folgen anderen, wenn sie von etwas inspiriert sind. Und Inspiration bedeutet, dass etwas von aussen kommt, mit dem man im Innern eine Verknüpfung erzeugen kann. Ein Leader muss also wissen, was in seinen Mitmenschen vorgeht, was deren Ängste und was deren Hoffnungen sind, um überhaupt inspirieren und Anknüpfungspunkte erzeugen zu können.

Ein Leader ist demnach empathisch und ist stets bemüht, zuerst sein Gegenüber zu verstehen, bevor er selbst verstanden werden will

Er ist aus tiefer Überzeugung interessiert am Leben seines Gegenübers und beteiligt sich daran. Er isst mit seinen Mitarbeitern am Mittag, fragt nach, wie es der Familie geht und schreibt eine Nachricht, wenn jemand krank ist. Er ist sich bewusst, dass die Mitglieder seines Teams einen grossen Teil ihres Tages an der Arbeit verbringen und fördert eine Beziehung und einen Austausch, der über das rein Geschäftliche hinausgeht. Dies tut er nicht, weil er es in einem Blogartikel gelesen hat, sondern weil ihm die Menschen hinter den Funktionen wirklich wichtig sind.

Ein Leader übernimmt Verantwortung für sich selbst.

Er ist sich bewusst, in welchen Situationen es angebracht ist, eigene Unsicherheiten und Ängste zu zeigen, um menschlich und greifbar zu sein. Aber er weiss auch, in welchen Situationen es wichtig ist, dass er Sicherheit ausstrahlt und Orientierung stiftet, auch wenn er diese Sicherheit gar nicht hat. Für mich ist die grösste Aufgabe von Leadern, Sicherheit zu erzeugen, wo keine Sicherheit herrscht. Und dies nicht, indem Sie den Mitarbeitern etwas vormachen. Sondern in dem sie selbst einer persönlichen Vision folgen, die ihnen auch in Zeiten von Schwierigkeiten und Unsicherheiten, Mut und Zuversicht gibt.

Haben Sie eine persönliche Vision? Falls ja, gratuliere. Falls nein, lade ich Sie ein, eine zu kreieren – wir unterstützen Sie dabei gerne. Denn um einen Leader zu sein, braucht man kein Organigramm. Man braucht Menschen, die einem folgen. Jeder Mensch kann ein Leader sein!

Wir wünschen Ihnen eine visionäre Woche,

Ihr Manres-Team