Coaching & Sprache

Die Magie der Fragen

Von Kristina Kiener, Consultant /

Im Alltag sind wir es gewohnt, Probleme zu lösen, indem wir Tipps und Lösungen geben. Wir meinen es gut mit unserem Umfeld und wollen unseren Mitmenschen zur Seite stehen. Und wenn das Thema einem vertraut ist, tappt man erst recht in die Falle, von der eigenen Erlebenswelt auszugehen.

Was im vertrauten und freundschaftlichen Kreis durchaus schön und vielleicht auch willkommen ist, zeigt sich im Coaching jedoch weniger von Vorteil. Dort geht es um Resultate, nämlich um die persönliche Weiterentwicklung. Je weniger Input gegeben wird, desto mehr ist der Coachee gefragt – im wahrsten Sinne des Wortes. Er soll in die aktive Rolle treten. Die Devise für den Coach lautet also: Fragen stellen! 80% Fragen, 20% Input, dies als Referenzrahmen (1).

Für die Wahl der Fragen ist der Coach verantwortlich. Qualitativ gute Fragen bewirken qualitativ gute Antworten. Ein guter Coach weiss, wann welche Fragen angebracht sind. Er ist sich bewusst, welche Fragen das Problem verstärken und welche Fragen den Raum für zielführende Alternativen öffnen. Zudem lenken positive Fragen unsere Gedanken auch auf das Positive. Stellt sich der Coachee die Frage “Warum schaffe ich das bloss nicht?” wird er keine Antwort erhalten, die ihm hilft, das Problem zu lösen. Er wird nur auf Antworten stossen, die implizieren, dass er es nicht geschafft hat. Diese negativen Aussagen verfestigen damit das negative Denkmuster und somit unser Blick auf unser Leben. Und hier lohnt es sich als Coach anzuknüpfen und mit gezielten Fragen Denkmuster aufspringen zu lassen, um den Coachee an den Ausgangspunkt heranzuführen – nämlich zur Auseinandersetzung mit sich selbst oder an das „Mit-sich-selbst-Sein“ (2).

Doch welches sind nun die Fragen, die an den persönlichen Kern führen, die einen stutzen lassen und vielleicht Sprechpausen verursachen, weil im Innern etwas in Bewegung ist? Aus persönlicher Erfahrung weiss ich, dass mich Fragestellungen, die an meine Emotionen anknüpfen, manches auslösen können. So habe ich zum Beispiel vier Monate in Benin in Westafrika in sehr einfachen Verhältnissen auf dem Lande gelebt. Ich wollte das Schwarzafrika kennenlernen, so wie ich es mir aus Büchern vorstellte, einen Krug Wasser auf dem Kopf tragen, in einer Lehmhütte wohnen und mehrheitlich die Nahrung essen, die mir die Natur zur Verfügung stellt. Für mich war diese Erfahrung – rückblickend auf alle Fälle – eine Ausnahmesituation, eine Zeit, in der ich mich sehr mit mir selber beschäftigte. Hätte mich jemand gefragt: „Gefällt es dir in Benin?“ wäre diese Frage viel zu plump gewesen. Aber die Antwort auf “Wie fühlt es sich für dich an, als einzige Ausländerin in einer dir völlig fremden Kultur zu leben?“ oder „Woran erkennst du, dass du deiner Vorstellung von Afrika näher bist?“ hätte definitiv einen Roman aus mir herausgebracht. Einerseits weil der Fragende sich in meine Situation hineinversetzt und andererseits, weil ich so dazu aufgefordert werde, in mich hineinzuhorchen und meinen Gefühlen, Erwartungen, Interpretationen und Glaubenssätzen auf die Schliche zu kommen. Die Formulierung der Frage ist das Entscheidende und lenkt den Fokus, um sich die Erlebenswelt des Gegenübers erklären zu lassen.

Stellen Sie also zum Nachdenken anregende, bewegende Fragen – an den Coachee, aber auch an sich selbst. Und glauben Sie mir, Sie werden staunen, welche unentdeckte Räume Sie damit öffnen können und wie sehr Ihre Fragen bestimmen, wie Sie über Ihr Leben denken – vorausgesetzt Sie bleiben ehrlich zu sich und haken auch dort nach, wo es schmerzt.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Zaubern - let the magic happen.

Ihr Manres-Team

Referenzen
(1) Johner, P. (2010). Transforming Leaders. Freiburg: Haufe.
(2) Längle, A., & Bürgi, D. (2014). Existenzielles Coaching. Wien: Facultas.