Digitalisierung

Der Mensch zwischen Einsen und Nullen

Von Michèle Fichtner, Consultant /

Schneller, komplexer, digitaler; die Digitalisierung verändert unser Arbeitsleben. Viele Unternehmen erkennen diesen fundamentalen strategischen Paradigmenwechsel und begeben sich in digitale Reorganisationsprojekte. Auf Technologie zu setzen ist zukunftsentscheidend, aber ohne eine Unternehmenskultur, die die Mitarbeiter in den Wandel miteinbezieht, wird es nicht funktionieren, schlussfolgert Capgemini in der Studie „Culture first“. Jede große Transformation braucht eine Kultur, die den „Change“ unterstützt. Obwohl 72% der befragten Teilnehmer die bestehende Unternehmenskultur als größtes Hindernis der Digitalisierung betrachten, wurden die bestehenden Strukturen vehement verteidigt.

Warum halten Menschen an Dingen fest, die sie bremsen?

Veränderungen bieten neben positiven Möglichkeiten auch immer die Möglichkeit für Unsicherheit und Angst. Menschen tendieren dazu, selbst kleinste Veränderungen auf ihre Bedrohlichkeit hin zu überprüfen und stellen sich implizit oder explizit die Frage, ob sie diesen Veränderungen gewachsen sind.

Diese Frage ist in Veränderungsprozessen selten klar zu beantworten und sorgt für Unruhe im System. Veränderungen zu überprüfen ist ein evolutionsbedingter Mechanismus. Früher verhalf dieser zu einem Selektionsvorteil. Auch heutzutage ist es vorteilhaft, Unbekanntes zu überprüfen, allerdings kann die aus der Unsicherheit entstehende Angst unternehmerisches Wachstum bremsen. Das Unbekannte von heute ist nicht mehr – wie vor Jahrtausenden – potenziell tödlich, wir behandeln es aber oft noch so. Führungskräfte profitieren davon, wenn sie diesen Mechanismus kennen und mit ihm umgehen können.

Die Digitalisierung bricht nicht wie ein Unwetter über uns hinein, sie ist menschengemacht und ebenso haben wir es in der Hand, ob und wie wir in Zeiten des „Change“ auf das gleiche Ziel hinarbeiten.

Offenheit für Neues statt Angst vor Verlust sowie Selbstvertrauen anstelle von Egoismus unterstützen den Wandel. Dabei hilft eine Kultur, die Fehler zulässt und Mitarbeiter frühzeitig in Veränderungen einbindet. Durch die Digitalisierung werden Prozesse effizienter, Arbeitsplätze und/oder bisherige Aufgaben fallen weg. Haben Sie einen Blick für die menschlichen Bedürfnisse, die davon angetastet werden und für die Ängste, die sich daraus ergeben können? Zu der Angst davor, dass die bisherigen Kompetenzen vielleicht nicht ausreichen kommt die Furcht, nicht mehr so wichtig zu sein oder lieb gewonnene Aufgabeninhalte zu verlieren.

Nehmen Sie diese Ängste im Kleinen ernst und begegnen Sie Ihren Leuten auf einer emotionalen, nicht zuerst auf einer rationalen Ebene! Kommunizieren Sie im Großen eine Vision der Zukunft, in der Sie transparent die Vorteile der digitalen Transformation aufzeigen und zeichnen Sie ein mitreißendes Bild, was dadurch alles möglich wird. Somit initiieren Sie eine Kultur, die Veränderungen vorantreibt und keine, in der innovative Technologien Veränderungen erzwingen. Genau dort liegt die Herausforderung der Digitalisierung begraben. Vordergründig geht es um ein rein technisches Thema, aber im Endeffekt geht es konkret um die Menschen und die Kultur, in der diese agieren. Transformation als Chance und nicht als Einschränkung zu sehen: diese Haltung benötigen Unternehmen, um zukunftsfähig zu sein. Eine Kultur, die nicht limitiert, sondern inspiriert. „Einsen und Nullen“ sind wichtig, aber den letztendlichen Erfolg bestimmt der Mensch maßgeblich mit.

Menschlich herzliche Grüße in digitaler Form sendet Ihnen

Ihr Manres-Team