Führung und Kreativität

Entdecken Sie den Künstler in sich!

Von Julia Reimann, Consultant /

Wenn wir an Kreativität denken, mögen uns zunächst Maler und Künstler im eigentlichen Sinne einfallen: Jene Art Mensch, der – zurückgezogen und in seiner eigenen Welt – etwas faszinierendes Neues erschafft. Doch was hat dies mit Führung zu tun?

Schauen wir uns einmal genau an, was Kreativität eigentlich bedeutet. Sie ist «…die Fähigkeit eines Individuums oder einer Gruppe, in phantasievoller und gestaltender Weise zu denken und zu handeln“ (1). Diese Fähigkeit ist vor allem beim Umgang mit Veränderungen und komplexen Problemstellungen – wie sie für unsere VUCA-Welt typisch sind – relevant und erfolgsentscheidend.

In diesem Kontext erfordert eine kreative Problemlösung nicht nur, neuartige und passende Lösungen anzubieten, sondern diese müssen zudem einen Mehrwert bringen und nützlich sein, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Um Innovation, Kreativität und somit Problemlösefähigkeit in Unternehmen zu fördern, sind folgende Umweltaspekte hilfreich: herausfordernde Aufgaben, ausreichend Handlungsspielraum, eine klare Vision, heterogene Gruppenzusammensetzung und ein positives Teamklima. Auf Persönlichkeitsebene spielen ein hohes Maβ an Risikobereitschaft und Selbstwirksamkeit, die Suche nach Neuem sowie Mitgestaltungswille und Anerkennung eine Rolle. Zudem ist ein transformationaler Führungsstil von Vorteil, insbesondere in frühen Projektstadien: Mitarbeiter durch die „4 I’s“ - die eigene Vorbildfunktion, inspirierende Motivation, intellektuelle Anregung sowie individuelle Berücksichtigung - anzuleiten (2).

An dieser Stelle sind Sie persönlich gefragt. Denn um andere inspirieren zu können, ist es wichtig, zunächst selbst zu wissen, was uns begeistert und antreibt. Dies bedeutet, zu ergründen, was uns motiviert und in ein Flow-Erleben bringt – kurz: was uns entspricht. Zu diesem Zweck hat Julia Cameron, amerikanische Bestseller-Autorin und Leiterin von Kreativitäts-Workshops, ein spezielles Programm in Form eines Buches entwickelt. Sie ist der festen Überzeugung, dass in jedem von uns ein Künstler steckt (3) und wir unsere inneren Blockaden überwinden können, um wieder kreativer und schöpferisch tätig zu sein. Mit Blockaden sind negative Selbstaffirmationen wie z.B. „Ich bin zu alt, um kreativ zu sein“ oder „Das ist doch Quatsch“ gemeint – kritische Stimmen, die uns zur „Vernunft“ mahnen und von unserer Kraft wegbringen. Sie verhindern, dass die kreative Kraft im Alltag flieβen und unser Privat- und Berufsleben bereichern kann.

Nicht jeder muss dafür unbedingt sein Leben umkrempeln und den Beruf wechseln. Doch was spricht eigentlich dagegen, bestimmte kreative, verrückte Ideen und neue Verhaltensweisen an verschiedenen Stellen mit in den beruflichen Alltag einzubeziehen? Unseren inneren Impulsen den Weg zu ebnen, um der Vernunft und dem Verstand von Zeit zu Zeit die Stirn zu bieten? Julia Cameron ist der Meinung, dass „Kreativität (…) unsere wahre Natur“ ist, die – ähnlich wie eine Blume – durch entsprechende Pflege wieder aufblühen kann. Dafür ist jedoch wichtig, diese regelmäβig zu nähren. 

So geht es beispielsweise in ihrem 12-Wochen-Programm darum, positive Affirmationen für das eigene Schaffen zu erarbeiten und möglichst täglich alles aufzuschreiben, was die eigenen Gedanken einnimmt, um auf diese Weise den Kopf freizubekommen. Ohne Zensur oder schriftstellerisches Geschick. Zudem wird der Leser angeleitet, zu überlegen, welche Berufe er ergreifen würde, hätte er noch fünf weitere imaginäre Leben. Diese dienen als Idee, welche Zutat das eigene Leben noch bereichern könnte. Träumte man beispielsweise früher davon, Pilot oder Tänzer zu werden, ist zu überlegen: hat dieser Traum aktuell in der Freizeit Platz? Wenn nicht, wie könnte dies bzw. eine gewisse Leichtigkeit wieder integriert werden, um sich selbst ganzheitlich zu nähren? Diese Zutaten können ebenso gut in den beruflichen Alltag integriert werden, im Sinne von: gebe ich meinen Mitarbeitern den Freiraum, sich zu entfalten und so bestmöglich zum Erfolg meiner Organisation beizutragen? Lasse ich sie kreativ sein, und ungewöhnliche Wege gehen, um zu einer Lösung zu kommen? Und fördere ich jeden ganzheitlich, sodass er sich mit seinem gesamten Potenzial gesehen und genährt fühlt?

Haben Sie Lust bekommen, den Künstler in sich zu entdecken und der Quelle innerer Kreativität auf die Spur zu kommen? Wir wünschen Ihnen eine Woche voller neuartiger Ideen und kreativer Impulse,
Ihr Manres Team

(1) Maier, G.W., Streicher, Jonas, E. & Frey, D. (2008). Innovation und Kreativität. https://web.archive.org/web/20120105222209/http://www.psy.lmu.de/soz/studium/downloads_folien/sose08/mu/04-frey-art3.pdf (Zugriff am 19.06.2019)
(2) Avolio, B. J. & Bass, B. M. (1991). The full range leadership development programs: based and advanced manuals. Binghamton, NY: Bass, Avolio & Associates.
(3) Cameron, J. (2009). Der Weg des Künstlers. Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität. München: Droemer Knaur.