Innovationskultur

Wechselwirkung von Kreativität und Kultur

Von Sandra Ferrez,  Executive Assistant /

Aufgrund der technologischen rasanten Veränderungen ist Leistungsstabilität an die Innovationskraft einer Organisation gebunden. Nur wer innovativ ist, wird im internationalen Wettbewerb bestehen können. 

Gemäss Redmond, Mumford und Teach (1) sind Individuen die ultimative Quelle für Innovation, wodurch das innovative Potential einer Organisation in den Köpfen der einzelnen Mitarbeitenden steckt. Der Begriff Kreativität beschreibt die Fähigkeit, nützliche Ideen zu generieren. Unter Innovation im Unterschied zu Kreativität wird nicht lediglich die Generierung von sinnvollen Ideen, sondern auch deren Implementierung verstanden (2, 3). 
Doch welche massgebenden Prozesse prägen die individuelle Kreativität und Innovation der Mitarbeitenden in einem Unternehmen? 

Ein Einflussfaktor auf die gelebte Kreativität von Mitarbeitenden sind implizite Theorien über Kreativität und Innovation in einem Unternehmen. Diese werden aufgrund von persönlichen Überzeugungen, Werten und Annahmen gebildet und für die Interpretation von Sachverhalten implizit angewendet (4). Vertreten Mitarbeitende beispielsweise die Ansicht „wir sind ein traditionelles und konservatives Unternehmen“, so könnte dies das Ausleben individueller Kreativität negativ beeinflussen.

Implizite Annahmen über Kreativität werden über das Umfeld sogar bereits in der Kindheit vermittelt. In einer kulturübergreifenden Studie erteilten Runco und Johnson (5) Lehrern und Eltern den Auftrag intuitiv anzugeben, welche Adjektive aus einer Wortliste sie mit Kreativität und Erwünschtheit in Verbindung bringen. Die Ergebnisse zeigten, dass Lehrer und Eltern in Indien kreativitätsbezogene Attribute wie „träumerisch“ und „impulsiv“ als unerwünscht betrachteten. Im Vergleich zu den amerikanischen Teilnehmenden der Studie sahen die indischen Probanden Eigenschaften wie „Sorgfalt“ und „Bestätigung“ als erstrebenswertere und kreativere Dispositionen an. Dadurch werden Kinder implizit aufgrund kultureller Traditionen in ihrem Verständnis von Kreativität geprägt. Implizit geschieht dies insofern, dass Eltern und Lehrpersonen kulturell bewährte Eigenschaften unbewusst in der Entwicklung der Kinder fördern.

In einer weiteren Studie von Salaman und Sorey (6) wurden Manager zu ihren Erfolgs- resp. Misserfolgs-Erfahrungen und den Assoziationen, die sie zu Innovation haben befragt. Ergebnisse zeigten, dass diejenigen, die aufgrund ihrer Erfahrung als wenig innovativ gelten, Innovation insgeheim mit Begriffen wie „potenziell unsachgemäss“, „gefährlich“, „unbedacht“ und „beängstigend“ assoziierten. In Kontrast verbanden „gute“ Innovatoren, die erfolgreiche Erfahrungen mit Innovation hatten, Innovation mit Positivem, Feierlichem und Ermutigendem. 
Folglich lässt sich schlussfolgern, dass mehrere individuelle implizite (und explizite) Annahmen in Bezug auf Kreativität und Innovation bestehen. Nun lässt sich aber fragen, welche impliziten Annahmen über Innovation in einem Unternehmen bestehen? 

Unter der Unternehmenskultur versteht Manres die Summe der impliziten und expliziten Gewohnheiten einer Unternehmung. Die Kultur einer Unternehmung umschliesst somit den Umgang miteinander, mit Fehlern, das Zelebrieren von Erfolgen und natürlich auch den Umgang mit Innovation.

Sie wollen in Ihre Innovationskultur investieren? Wir geben Ihnen nachfolgende Reflexionsfragen mit auf den Weg: 
-    Welche hinderlichen und förderlichen impliziten Annahmen besitzen Sie, als Führungskraft, im Hinblick auf Ihre eigenen Innovationsfähigkeit und die Ihres Unternehmens?
-    Gibt es in Ihrem Führungsalltag Begebenheiten, bei denen Sie aufgrund Ihrer eigenen impliziten Annahmen Innovation verhindert haben / als bedrohlich erlebten? 
-    Welche Erlebnisse aus der Innovationsgeschichte Ihres Unternehmens prägen die Innovationskultur heute massgebend?
-    Inwiefern können diese impliziten Annahmen an Ihren regionalen / globalen Standorten aufgrund der dortigen Kulturen variieren? 
Das folgende Zitat beschreibt treffend die Wechselwirkung von Kultur und Kreativität:
„On one hand, culture is a source of creative inspiration, and culture influences how people understand creativity. On the other hand, creativity and innovation transform culture.” (7, S. 165) 
Investieren Sie heute in die Innovationskultur Ihrer Unternehmung, sie wird massgebend für Ihren Erfolg sein.

Herzlichst, 
Ihr Manres Team
 

Quellen:
(1) Redmond, M. R., Mumford, M. D., & Teach, R. (1993). Putting creativity to work: Effects of leader behavior on subordinate creativity. Organizational behavior and human decision processes, 55(1), 120-151.
(2) Amabile, T. M., Conti, R., Coon, H., Lazenby, J., & Herron, M. (1996). Assessing the work environment for creativity. Academy of management journal, 39(5), 1154-1184.
(3) Erez, M., & Nouri, R. (2010). Creativity: The influence of cultural, social, and work contexts. Management and Organization Review, 6(3), 351-370.
(4) Grigoryan, L. K., Lebedeva, N., & Breugelmans, S. M. (2018). A Cross-Cultural Study of the Mediating Role of Implicit Theories of Innovativeness in the Relationship Between Values and Attitudes Toward Innovation. Journal of Cross-Cultural Psychology, 49(2), 336-352.
(5) Runco, M. A., & Johnson, D. J. (2002). Parents' and teachers' implicit theories of children's creativity: A cross-cultural perspective. Creativity research journal, 14(3-4), 427-438.
(6) Salaman, G., Storey, J., & Billsberry, J. (Eds.). (2005). Strategic human resource management: Theory and practice. Sage.
(7) Kwan, L. Y. Y., Leung, A. K. Y., & Liou, S. (2018). Culture, creativity, and innovation.