Kultureller Wandel

Kultur macht Geschichte

Von Christian Bucher, Consultant /

Früher hieß es, das Klima macht Geschichte: Als sich am Ilopango im heutigen El Salvador im Jahre 535 n.Chr. nicht nur eine der wohl größten Eruptionen der Erdgeschichte ereignete – der Ausbruch war mindestens zehnmal stärker als jener am Mount St. Helens im Jahre 1980 – starben nicht nur Tausende Personen unmittelbar durch den Vulkanausbruch. Neuere Forschung vermutet, dass die Auswirkungen viel weitreichender waren: Die durch die massive, global ausgebreitete Aschewolke ausgelöste Verfinsterung des Himmels und die damit verbundenen Ernteausfälle sollen nicht nur die nächstgelegene Hochkultur der Maya ausgelöscht und den Niedergang des römischen Imperiums besiegelt haben, sondern auch eine der verheerendsten Pandemie ausgelöst haben – die Pest.

Trotz mehrerer solcher Katastrophen entstanden seit Jahrtausenden Hochkulturen mitsamt technischer, gesellschaftlicher, kultureller wie auch ökonomischer Prosperität. Die Renaissance beispielsweise bildet nicht nur eine Zeitepoche vieler Entdeckungen und Innovationen, der Handel erblühte und die Wirtschaft florierte in Städten wie Venedig, Genua und Florenz. Dies war einerseits neuen Entwicklungen zu verdanken und andererseits auch dem Ausbleiben von klimatischen Krisen: Landwirtschaftliche Erzeugnisse waren im Überfluss vorhanden, was deren Verkauf erlaubte, und dies begünstigte zudem die Spezialisierung von Tätigkeiten – der Mensch war nicht mehr ganztägig mit Nahrungsbeschaffung beschäftigt.

Während das Klima weiterhin eine relevante Größe ist und auch stark den öffentlichen Diskurs prägt, gewinnt durch die zunehmende Mobilität und Vernetzung der Welt nun die Kultur immer schneller an Relevanz. Jetzt macht die Kultur Geschichte: die Industrialisierung, die Globalisierung, die Digitalisierung und andere Entwicklungen verbinden die Welt auf eine Weise, die die Wellen kultureller Veränderungen und damit ihre Auswirkungen verstärkt. Dieser Wandel beschäftigt ganze Gesellschaften wie auch Unternehmen gleichermaßen. Die intuitive Frage lautet: Wie können wir darauf reagieren? Doch die Schnelllebigkeit unserer Zeit erlaubt es uns nicht, Veränderungen abzuwarten und uns dem kulturellen Wandel lediglich anzupassen, wollen wir erfolgreich sein. Gerade deshalb begegnen wir heute viel häufiger der progressiveren Frage: Was können wir als Person oder als Unternehmen proaktiv tun, um Chancen für Prosperität in Zeiten des Wandels zu erkennen und zu nutzen sowie um negative ökonomische und kulturelle Auswirkungen von Krisen vorab zu minimieren?

Dies kommt zugleich einer zutiefst menschlichen Grundhaltung zugute, nach der wir und wohler fühlen, wenn wir selbst den Wandel initiieren, anstatt ihm unterworfen zu sein. Und da Kultur in einer der einfachsten Definitionen die Summe der Gewohnheiten (beispielsweise eines Unternehmens) ist, kann kein Schritt zu klein und kein einzelner Mensch zu unbedeutend sein, um sie zu prägen – es kann sogar gar nicht anders funktionieren. In diesem Sinne: Was tun Sie aktuell, um die Kultur zu begünstigen, die Sie sich wünschen – in Ihrem Unternehmen, in Ihrer Familie, in Ihrer Nachbarschaft, in Ihren Freundschaften?

Viel Energie und Proaktivität für den klimatischen und kulturellen Wandel im Herbst wünscht Ihnen

Ihr Manres-Team