Retreats - ein Modebegriff?

Warum es Sinn macht, sich Zeit für sich selbst mit fremden Menschen einzuplanen

Von Monique Zimmermann, Senior Consultant /

Der «Modebegriff» Retreat kommt aus dem englischen und bedeutet Rückzug. Ein geplanter Rückzug aus dem Alltag, um sich einfach mal Zeit für sich zu nehmen. Zeit zum Reflektieren, die Stopp-Taste zu drücken und sich aus der gewohnten Umgebung rauszunehmen. Im Allgemeinen dienen Retreats der inneren Einkehr und der Besinnung darauf, was im Leben wirklich wichtig ist.  Vor allem in der buddhistischen Tradition und der Yoga-Welt sind Retreats weltweit verbreitet und werden immer beliebter. Man muss aber kein Buddhist oder Yogi sein, um ein Retreat zu besuchen. 

Warum ist es gerade in unserem Alltag so wichtig, sich bewusst Zeit für sich zu nehmen und eine Verabredung mit sich selbst einzugehen?

In der aktuellen Forschung spielen Studien zum Thema Stress eine grosse Rolle. Man nennt es heutzutage: psychosozialen Stress. Dieser gefährdet zusammen mit mangelnder Erholung zunehmend unsere körperliche und psychische Gesundheit (Kaluza, 2014). Präventionsmassnahmen beziehen sich auf strukturelle, interpersonale und personale Strategien. Strukturelle Massnahmen zielen auf Strukturen, die ausserhalb des unmittelbaren Einflussbereiches des Einzelnen liegen. Interpersonales nimmt eher den Faktor der zwischenmenschlichen Beziehungen in den Fokus. Die personalen Präventionsmassnahmen richten sich dann an die Einzelperson, die individuellen Kompetenzen und die individuellen Bewertungs- und Bewältigungsprozesse. Alle haben einen gemeinsamen Faktor: sich Zeit nehmen, den Status Quo zu reflektieren, ob dieser förderlich oder hinderlich ist – und das eben bevor es zu spät ist. Für eine nachhaltige Präventionswirkung sollten strukturelle, interpersonale und personale Massnahmen kombiniert durchgeführt werden. 

Mit unserem «Total Fitness Retreat» hat Manres Anfang Januar in Arosa den Raum erstmalig für Privatpersonen aufgespannt, ganzheitlich fit in das neue Jahr zu starten.  Sich eine bewusste Pause zu gönnen und über eigene förderliche und hinderliche Gewohnheiten nachzudenken, um sich selbst besser kennenzulernen und zu reflektieren, was wirklich wichtig ist und welche Spuren wir hinterlassen wollen.
 
Speziell dafür sind wir nach einem ganzheitlichen Konzept vorgegangen und haben uns der Persönlichkeitsentwicklung auf vier Ebenen genähert. Zum einen auf der physischen Ebene mit Sport- und Yogaeinheiten und der mentalen Ebene mit theoretischen Inputs zu Fokus und Konzentration. Und zum anderen auf der emotionalen Ebene durch das Hinterfragen von Glaubenssätzen, dem Erforschen eigener Emotionen sowie der Begegnung mit zuvor unbekannten Menschen; sowie auf spiritueller Ebene, indem wir gemeinsam der Frage nach Orientierung nachgegangen sind.

Es gibt keine global richtigen oder falschen Gewohnheiten, sondern es geht darum, individuell zu prüfen, was uns entspricht. Was vielleicht intuitiv nach einer sehr «einsamen» oder persönlichen Sache klingt – sich mit sich selbst beschäftigen, reflektieren, personale Strategien – ist tatsächlich allein recht schwer. Im Gegenzug handelt das Konzept «ubuntu», welches seine Wurzeln in der klassischen afrikanischen Philosophie hat, im Kern von der Notwendigkeit einer Einheit und Gemeinschaft. Im Buch «The book of joy» erklärt Desmond Tutu, dass wir unsere Person, unser Selbst erst am Gegenüber erkennen. Deswegen ist es so hilfreich, wenn wir uns austauschen, zusammenkommen, Erkenntnisse über uns mit und am Gegenüber gewinnen. «Wir brauchen einander – nur durch andere Menschen lernen wir, was es heißt, menschlich zu sein, einander zu achten und Gemeinschaft, aber auch Korrektur zu erfahren» (Erzbischof Emeritus Desmond Tutu).

Unsere Teilnehmer haben gerade das am Retreat-Wochenende geschätzt: die gegenseitige Offenheit und den Austausch miteinander. Und nicht zuletzt die Tatsache, das Jahr mit sich selbst zu beginnen, zu sich zu kommen und wieder zu merken, was wirklich wichtig im Leben ist. Und warum sollten wir uns das schwerer machen als nötig, indem wir es allein angehen.

Das hatten auch unsere Teilnehmer, die alle keine Yogis oder Buddhisten sind, realisiert und haben sich jeden Tag aus der Komfortzone heraus zum Yoga, zum Meditieren, zum Reflektieren und zum Austausch mit zu Beginn fremden Menschen getraut.

Wie oft nehmen Sie sich Zeit für sich? Planen Sie dies in Ihren Alltag ein? Verabredungen mit sich selbst? Ein Wochenende? Oder sogar ein Retreat? Wie sehr nutzen Sie dabei die Hilfe anderer, sich an ihnen zu erfahren? Trauen Sie sich, seien Sie mutig für einen Rückzug und lernen sich dadurch noch besser kennen. Wir unterstützen Sie gern mit künftigen Retreat-Angeboten dabei.

Wenn Sie über kommende Angebote auf dem Laufenden bleiben wollen, besuchen Sie gern ab und zu unsere Rubrik «Aktuelles». Wir freuen uns auf Sie.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine besinnliche Woche mit Rückzugsmöglichkeiten, 
Ihr Manres Team


Literatur:
(1)    Bstan-ʼdzin-rgya-mtsho, Dalai Lama XIV, Tutu D. (2016). The Book of Joy: Lasting happiness in a changing world. New York: Avery.
(2)    Ubuntu (März 2015). Abgerufen von https://www.ubuntu-projekt.de/damfiles/default/ubuntu/projekt/konzept-ubuntu-dez-2017.pdf-175aed9351852b7e94baacc4a4b04cf0.pdf
(3)    Kirch, D. (November 2016). Retreat. Abgerufen von https://dfme-achtsamkeit.de/wp-content/uploads/2016/11/Achtsamkeits-Retreat-Doris-Kirch.pdf
(4)    Kaluza G. (2014). Stress und Stressbewältigung. EHK 2014; 63: 261-266.