Success

The future of leadership

Von Susan van Schie, Senior Consultant /

Wie blickt die Wirtschaftselite auf das Soll-Profil künftiger Leader? Wie muss ein CEO sein, um eine Firma erfolgreich durch eine VUCA-Welt zu navigieren? Was ist entscheidend in den Augen derer, die heute selbst an der Spitze sind? 

Im SDG-Zelt (Sustainable Development Goals der United Nations) widmet sich ein illustres Panel am letzten Donnerstagabend genau diesen Fragen im Rahmen des WEF in Davos. Der Druck auf CEOs steige mit jedem Jahr, ist sich das Panel einig, und monodimensionale Führung reiche nicht länger aus, um zu reüssieren. Gefragt sind fünf Qualitäten.

1/ Ein Leader hört neugierig hin.
Anstatt zu reden verbringt der CEO den Löwenanteil seiner Zeit mit Hinhören, und zwar auf allen Ebenen, ist Sue Desmond-Hellmann (CEO der Bill und Melinda Gates Foundation) überzeugt. Die Bedeutung von Hierarchien schwindet und Führungsspannen umfassen zunehmend dezentrale Teams, die im Homeoffice oder remote arbeiten. Gefragt ist ein neugieriger und zugewandter Coach, der über Fragen führt, sowie ein achtsamer Umgang mit der Tatsache, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Botschaften hören.

2/ Ein Leader macht andere gross. 
Ein Indikator für wahre Leadership ist der erfolgreiche Aufstieg von Personen um den CEO herum, meint Maheen Rahman (CEO von Alfalah GHP Investment Management). Führung bedeute, das Wohlergehen anderer zu fördern - gerade auch in der eigenen Kohorte. Es werden auch diese Menschen sein, die mich unterstützen, wenn ich an der Spitze bin. Der Aufbau einer exzellenten zweiten Führungsriege ist genauso entscheidend, wie schnelle Entscheide des CEO selbst. Feike Sijbesma (CEO von DSM) schärft nach: Verantwortung für andere zu übernehmen, Grosszügigkeit und Selbsterkenntnis seien eine Conditio sine qua non. Er meint weiter: „Es schert niemand, ob Du Dich selbst als Leader siehst. Nur wer von anderen so gesehen und akzeptiert wird, ist ein Leader.“ 

3/ Ein Leader spürt eigene Fehler und blinde Flecken auf. 
Der CEO hat eine bescheidene und selbstreflexive Haltung. Rain Lu Yong (CHRO von JD) befürwortet 360-Grad-Feedbacks für Leaders, um sich selbst zu überprüfen und sich zu erinnern, dass auch CEOs lernen müssen, wie sie wachsen können. Die regelmässige Frage „was für eine Person will ich werden?“ müsse Gewohnheit sein, sagt Sijbesma. Es brauche nicht alle Antworten, aber CEOs sollten lernen, sich dieser Betrachtung zu stellen. Stephane Kasriel (CEO von Upwork) ergänzt: „never let a crisis go to waste“, sondern lerne aus eigenen Tiefpunkten. Ein authentischer CEO ist, wer sich eigener Unsicherheiten bewusst ist – und dennoch Mut hat.

4/ Ein Leader entwickelt Zugkraft über den gesellschaftlichen Beitrag. 
Im Vergleich zu noch vor 15 Jahren sei ein Anspruch des CEOs, die Firma erfolgreich zu führen und einen positiven Beitrag zur Gesellschaft und Umwelt zu leisten, heute salonfähig. Künftig sei diese Kombination sogar imperativ, glaubt das Panel: Generationen von global geprägten Arbeitnehmern und Kunden wollen erkennen, was ihre Arbeit bewegt und wer soziale Verantwortung übernimmt. Kasriel ist beispielsweise überzeugt, dass sinngetriebene Firmen, die über den eigenen Profit hinausdenken, Talente trotz wenig attraktiver Stellenbeschreibungen langfristig halten. 

5/ Ein Leader hält fest an Werten - insbesondere in harten Zeiten. 
In harten Zeiten zeigt sich der Charakter und die Glaubwürdigkeit des CEOs – und das wird von Mitarbeitenden und Kunden quittiert. Als guter Leader zu gelten sei so einfach, wenn das Geschäft läuft, ist sich das Panel einig. Aber Werte bedeuten nur so viel, wie Leader daran festhalten, wenn die Zahlen sinken und die Ressourcen knapp sind. 4 von 5 Entscheiden müssen gemäss Sijbesmas Daumenregel werte-synchronisiert und konsistent sein. Ein pragmatischer Entscheid dürfe nie die eigenen Werte angreifen. 

André Hoffmann, Vizepräsident des Verwaltungsrates von Roche, resümiert: Was zunehmend über den Erfolg von Business entscheidet, ist die innere Haltung der Führung. Nicht der finanzielle Erfolg allein, sondern der Gewinn für Gesellschaft und Umwelt sei das Alpha und das Omega für die Führung der Zukunft.

Wir sind überzeugt, dass die genannten Eigenschaften Führungspersönlichkeiten schon immer eine Anziehungskraft und Inspirationsfähigkeit verliehen haben, was auch einen wirtschaftlichen Vorteil bringt. Doch das Bewusstsein dafür und die Dringlichkeit nimmt zu: Diese Führungsqualitäten sind keine „nice to haves“ mehr, sondern werden von hinreichenden zu notwendigen Bedingungen in der Führung. Packen wir es an!
Wir wünschen Ihnen eine prosperierende Woche.

Herzlichst, 
Ihr Manres-Team